Monatsgedanken März 2025

 Fremder 2503 Fotor 1

Dieser Spruch aus dem Alten Testament ist doch geradezu ein Ausrufezeichen für eine Willkommenskultur und steht jeder Fremdenfeindlichkeit entgegen!
So würde ihn die eine Hälfte der Leser(innen) wahrscheinlich zustimmend verstehen. Auf der anderen Seite blicken auch nicht wenige mindestens nachdenklich, vielleicht besorgt und sogar alarmiert auf jene Probleme, die mit Fremden verbunden sein können und sind.
So wie man ein und denselben Computerchip in einem Kühlschrank oder in einer kriegstüchtigen Rakete verbauen kann, sind einzelne Bibelworte nicht erst in unserer Zeit unterstützend für die eigene Meinung benutzt und in diese eingebaut worden. Es ist jedoch sehr empfehlenswert besser den jeweiligen unter Theologen sog. „Sitz im Leben“ zu berücksichtigen, sprich in die Entstehungszeit jener Texte zu schauen und die Zusammenhänge zu berücksichtigen. Dabei wird man nicht selten überrascht sein, dass Gestern und Heute gar nicht soweit auseinanderliegen.
Die im etwa 2600 Jahre alten Monatsspruch genannte Aufforderung wäre gewiss überflüssig gewesen, wenn die Bedrückung der Fremden nicht vorgekommen wäre und das sicherlich nicht als Einzelfälle. Darauf weisen auch andere Bibelstellen hin (s. 3.Mose 19; 2.Mose 22). In einer Sklavenhaltergesellschaft bot es sich geradezu an, Fremde rechtlich zu benachteiligen und für sich unter wenig günstigen Bedingungen arbeiten zu lassen. Genau das hatte das Volk Israel ja selbst in der Gefangenschaft in Ägypten erleben müssen. Sie hatten seinerzeit ihr Land aus wirtschaftlichen Gründen (Hungersnot) verlassen und gerieten in die Sklaverei. Die Wanderungsbewegungen jener Zeit fanden oft genau in der Bedrohung des Lebens durch den Mangel an überlebenswichtigen Gütern ihren Antrieb.
Dieses Motiv dürfte uns heute in der Migrationsfrage nicht ganz unbekannt vorkommen. Wenn seinerzeit das Überleben der Familie in einem fremden Land gesichert war, blieben Fremde natürlich auch gerne dort. Wenn es gut lief, hatten Einheimische und Zugewanderte beide etwas davon. Aber es lief wohl auch nicht zu selten schlecht für die Migranten. Daher fordert der Gott Israels sein Volk auf, die Zuwanderer(innen) als Menschen zu achten und sie sich gleichzustellen. „Wie ein Einheimischer unter euch soll euch der Fremde sein, der bei euch als Fremder wohnt; du sollst ihn lieben wie dich selbst. Denn Fremde seid ihr im Land Ägypten gewesen. Ich bin der HERR, euer Gott.“ (3.Mos.19,33-34).
Nicht anders ist auch viele Jahrhunderte später genau das die Botschaft Jesu, wenn er seine Nachfolger(innen) lobt, die Fremde aufnehmen (Matth.25,35)! Er selbst machte die Herkunft eines Menschen nicht zur Bedingung für sein helfendes Handeln und grenzte sie niemals aus. Christliches Leben bedingt genau diese Haltung!
Aber es gibt auch die andere, heute wenig bedachte und oft ignorierte Seite der Migration. Es ist die Frage nach der Identität eines Volkes. Was sind dessen Werte und was sind die damit verbundenen Glaubensgrundlagen? Im alten Israel stand der Glaube an ihren Gott Jahwe, seinen Geboten und Rechtsordnungen nicht zur Disposition. Durch Fremdlinge sah man die eigene Kultur durchaus bedroht. Wenn jemand anderen Göttern dienen wollte, sollte er dies frei tun. Doch selbst in der Heirat mit Fremden befürchtete man schon eine mögliche Unterwanderung des eigenen Glaubens (s. 5.Mos.7). Gleichwohl sorgte die Liebe hier und da jedoch auch für solche Verbindungen. Grundsätzlich stand aber außer Frage eigene Werte und Glaubensgrundlagen zu schützen und zu verteidigen. (s.5.Mose 23,4) Doch das schloss keineswegs eine Integration aus. Ein Beispiel für eine gelungene Integration ist die Familiengeschichte der Moabitern Ruth, deren Volk einen anderen Gott und andere Bräuche hatte (s. Ruth, 1ff) Sie lehnte ein Angebot zur Rückkehr in ihre Heimat ab und blieb. Gleichzeitig bekannte sie sich zu ihrer neuen Heimat mit dem dazu wichtigen Satz: „Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott!“(Ruth 1, 16). Damit ist natürlich ein gutes Stück Aufgabe der eigenen Kultur verbunden. Die aber wurde auch im alten Israel nicht als zwingend angesehen, wenn Fremdlinge den kulturellen Rahmen akzeptierten.
Das Thema ist weitaus zu komplex, um in diesen Monatsgedanken alle damit verbundenen Fragen anzusprechen geschweige denn zu klären.
Zusammenfassend ist mit dem Monatsspruch aus seinem Kontext als Botschaft festzuhalten: Fremde sind Menschen die – modern gesprochen – alle Menschenrechte haben und danach zu behandeln sind. In der „Fremde“ bleiben sie herausgefordert, nicht die eigene Identität aufzugeben, aber auch jene des Landes anzuerkennen und nicht zu gefährden.
Aber was gehört zu den unaufgebaren Werten unserer Identität? Woraus speist ein Land seine Richtungsentscheidungen heute? Was ist mein persönlicher Lebenshalt und meine Richtschnur für ein gelingendes Leben?
Das sind (Über)Lebensfragen, nicht nur im
 
März Anno Domini 2025

© D.E.