Christusgemeinschaft Oer-Erkenschwick e. V.

Monatsgedanken August 2019

 

Berlin

Geht und verkündet:

Das Himmelreich ist nahe.

Matthäus 10,7

 

Irgendwie kommt Ihnen das Bild bekannt vor? Irgendwann schon mal davon gehört?
Vermutlich nicht wenige werden das für dumme Fragen halten, denn jedes Jahr besuchen etwa 2 Millionen Menschen dieses Gebäude. Es hat eine wechselnde und spannungsvolle Geschichte hinter sich, mit der man auch einen wichtigen Teil der Vergangenheit Deutschlands erzählen könnte. 1884 bis 1894 wurde der auch durch Zerstörungen (2.Weltkrieg) mehrmals umgestaltete Bau zum ersten Mal fertiggestellt. Schon immer trug er die Bezeichnung „Reichstagsgebäude“ und war und ist in Berlin Sitz deutscher Parlamente und Regierungsgremien. Es symbolisierte immer wieder heftig umstritten, die Größe und Macht des Deutschen Reiches. „Möge Gottes Segen auf dem Hause ruhen, möge die Größe und Wohlfahrt des Reiches das Ziel sein“ so hatte der deutsche Kaiser Wilhelm II. einst bei der Einweihung formuliert. Und doch wusste jeder, dass er als Kaiser sich durch diesen Bau nicht repräsentiert sah, denn sein Stadtschloss, das gerade eben wieder entsteht, sollte der Inbegriff seines großen Reiches sein, von dem man gerne sang, dass es „über alles in der Welt“ stand. Und auch vor diesem Hintergrund muss man es verstehen, dass das Reichstagsgebäude nur mit einer 18 Stimmen-Mehrheit Parlamentssitz und Symbol eines wiedervereinigten Deutschlands wurde.
Die gläserne Kuppel des Reichstags ragt 47 m hoch über Berlin in den Himmel. Der Monatsspruch August ist ein Wort von Jesus, das auf ein unbegreiflich großes Reich hinweist: das Himmelreich. Der Blick durch die schöne Glaskuppel nach oben ist allerdings die falsche Perspektive, um dem Himmelreich näher zu kommen. Damit ist natürlich sofort die Frage nach dem Herrscher über das Himmelreich und vielleicht sogar nach seinem Wohnsitz verknüpft. Wie mag wohl der Himmelreichstag aussehen und wer bewohnt ihn? Schon der erste Mensch dem es gelang durch das Blau des Himmels in das Schwarz des Weltraums zu fliegen stellte lakonisch fest, dass er Gott nicht gesehen habe, geschweige denn konnte er einen Himmelreichstag erblicken. Dabei hätte dem Russen Gagarin die englische Sprache zur vertieften Erkenntnis geholfen, denn dort wird fein unterschieden zwischen dem naturwissenschaftlich zu verstehenden „SKY“ und der religiösen Dimension des „HEAVEN“. Dieser Himmel ist neutestamentlich verstanden das Reich Gottes. Genau dieses stand im Zentrum der Verkündigung von Jesus und über dieses Reich sollten auch seine Anhänger reden und es den Menschen nahebringen (s. a. Lk 9,2). Wahrlich keine leichte Aufgabe, denn Menschen sind damals wie heute auf Sichtbarkeit gepolt. Aber dieses „Sehen, was vor Augen ist“ reicht nicht einmal für das volle Verständnis für den Berliner Reichstag. Welcher Besucher – und vermutlich je jünger desto weniger, weiß, was alles reichsgeschichtlich unsichtbar dahinter steckt? Und da will man mal eben so einfach etwas Konkretes über das Reich Gottes sagen? So stellt schon einer der großen Religionskritiker der Moderne treffend fest: „Auch die Christen selbst denken sich sehr verschiedenartig den Himmel.“ (Ludwig Feuerbach: Das Wesen des Christentums, Kap.21) Aber Konsens besteht wohl, dass es um eine „Stadt Gottes“ geht (s. Hebr. 12,22), in der alles irgendwie „schön“ ist. Da ist es nur ein kleiner Schritt zur Vorstellung von einem Paradies, in dem es kein Leid, keinen Schmerz und keinen Tod mehr gibt. Aber sind das nicht alles nur Wunschvorstellungen auf der Basis irdischer Maßstäbe? Also alles nur Projektion, ein menschliches Konstrukt? Ist vielleicht am Ende nichts weiter über und unter der Reichstagskuppel als der Mensch?


Der Blick auf das Reich Gottes beginnt mit der bejahenden Feststellung, „dass Gott ist“, wie der Alttestamentler Ludwig Köhler schon den Inhalt des Alten Testaments zusammenfasst. Nur wer diesen Satz stehen lässt, macht den ersten Schritt ins Reich Gottes. Dabei geht es aber keineswegs um Entfernungen, vielleicht einmal quer durch die Milchstraße fliegen bis man endlich am Reichstagsgebäude Gottes ist. „...man wird auch nicht sagen: Siehe, hier ist es! oder: Da ist es! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch“, so ist es mit Jesus im Lukas Evangelium (Lukas 17,21) beschrieben. So gewinnt seine Feststellung eine ganz andere als eine räumlich-zeitliche Bedeutung. „Es bedarf keines Wortes, daß sich Jesus in der Erwartung des nahen Weltendes getäuscht hat.“ So glaubte einst ein profunder Theologe feststellen zu müssen (Rudolf Bultmann, Das Urchristentum, S. 22) Jesus macht demgegenüber vielfach deutlich, dass das Reich Gottes schon jetzt beginnt, also nahe ist, aber eben noch nicht vollendet und sichtbar. (s. Mt 13,31) Und schon zu seiner Zeit war es ein Missverständnis, dass Gott auf diesem Planeten aufräumen wird (beginnend mit der römischen Besatzungsmacht) und sein Reich auf dieser Erde geradezu himmlisch gestaltet, vielleicht inklusive eines galaktischen Himmelreichsgebäudes, das den Berliner Reichstag als Stecknadelkopf erscheinen lässt. Jesus hat davon jedenfalls nie geredet. „Prima Klima“ auf dem Planeten war nicht die Botschaft von Jesus, eher genau das Gegenteil. Und gerade in diesen Tagen bekommen wir ein Gespür dafür, wie vielleicht der Mensch zum verursachenden Zuschauer eines Erduntergangs wird. Jesus meint einen neuen Himmel und eine neue Erde (0ff.21,1; 2. Petr. 3,13), deren Konturen hier als Elemente einer zukünftigen „Welt“ deutlich werden. Diese Spuren des gegenwärtig Zukünftigen erschließen sich aber nur mit der richtigen „App“ wie man wohl heute sagen würde. Das Bild vom Himmelreich – übrigens eine typische Formulierung von Matthäus, die für seine jüdischen Leser unverfänglicher war als der „Reich Gottes“ Begriff – wird in der „App“ des Glaubens mit unglaublichen Elementen (Mt. 11,5) sichtbar und ist ein Vorgeschmack auf das, was am Ende der irdischen Tage wirklich kommt (Hebr.6,5). Und wer am Ende aller Tage diese „Kuppel“ des himmlischen Reichstages besucht, ist ebenso überraschend (Mt 21,31). Am Aufbau des Reiches Gottes sind Christen im Sinne der Bergpredigt Jesu (Mt 5 ff.) beteiligt und eigenartigerweise auch jene, die nicht auf dem frommen Zettel stehen (Mk 9,38-41). Sollte es etwa denen, die heute Menschen aus dem Mittelmeer fischen „unvergolten“ bleiben?(Mt.25, 31ff.)

Das Himmelreich ist nahe! Es ist >schon jetzt< und doch >noch nicht< im

August Anno Domini 2019!

© D.E.

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