Christusgemeinschaft Oer-Erkenschwick e. V.

Kurzandacht

Ohr Auge Gottes 2108

 

HERR, neige dein Ohr und höre!
Tue deine Augen auf, o HERR, und siehe!

2. Könige 19,16

 

„Dein Wort in Gottes Ohr!“ – Wer hat den Spruch nicht schon einmal benutzt!? Ausgerufen wird er sogar auch von denjenigen, die nicht an höhere Mächte glauben.
Erinnern wir uns, wann wir selbst einmal dieses mehr als 100 Jahre gebräuchliche Sprichwort benutzten? Mit Sicherheit dann, wenn die Erfüllung eines starken Wunsches nicht oder nicht mehr in unserer Hand liegt und auch kein anderer dafür sorgen kann, dass er Wirklichkeit wird. Da bleibt dann das Prinzip Hoffnung und wir ertappen uns dabei, übernatürliche Kräfte damit zu beauftragen, die Dinge in unserem Sinne in die Hand zu nehmen.
Aber das ist nur der eine Teil des Monatsspruches. Der andere ist eine gern in Abwandlung genutzte Erziehungshilfe, wiederum auch von Nichtgläubigen gelegentlich eingesetzt: „Der liebe Gott sieht alles!“ Ein durchaus manchmal unangenehmer Gedanke, - nicht nur für Kinder.
Aber was sieht „der liebe Gott“ auf unserem Planeten so alles? Oder schaut er auch schon mal weg? Unsere Köpfe sind aktuell noch gefüllt von den schrecklichen Bildern der Flutkatastrophe im letzten Monat. Hat Gott das gesehen und gehört? Vielleicht auch jene ältere Frau, die in einem kurzen Fernsehinterview die Eindrücke ihrer Hilflosigkeit angesichts der Naturkatastrophe in dem Satz zusammenfasste: „ …und dann konnte ich nur noch beten.“ Ich weiß nicht, was sie gebetet hat, aber es wird nicht weit weg sein von dem, was man im biblischen Psalm 69 (Vers 2) lesen kann: „Gott, hilf mir! Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle. 3 Ich versinke in tiefem Schlamm, wo kein Grund ist; ich bin in tiefe Wasser geraten, und die Flut will mich ersäufen.“
Nein, - es ist keineswegs eine neue Erfahrung im sog. Zeitalter des Klimawandels! Flutkatastrophen sind Begleiterinnen der Menschheitsgeschichte. „Deshalb werden alle Heiligen zu dir beten zur Zeit der Angst; darum, wenn große Wasserfluten kommen, werden sie nicht an sie gelangen.“ So formulierte es der Psalmist vor mehr als 2500 Jahren überzeugt (Ps. 32,6). Aber rettet Gott alle Gläubigen (Heilige) und die anderen lässt er umkommen? Kardinal Meisner (Erzbischof von Köln) zitierte in einer Predigt 2005 (https://www.ekir.de/www/downloads-archiv/ekir2005-01-15_predigt_kardinal_meisner_flutopfer.pdf) eine Pressemeldung angesichts von dramatischen Überflutungen während des Tsunamis zu Weihnachten in Thailand im Jahr 2004:“ „Wo warst du, Gott?“ Wo warst du, als unschuldige Menschen – darunter viele Kinder – vom Wasser weggerissen und getötet wurden?“ Überflutung 21 Nur 7 Monate im Jahr 2005 nach seiner wichtigen Frage gab es wiederum schwere Überschwemmungen, die man schon damals als Jahrhunderthochwasser bezeichnete– diesmal vor der Haustür im Alpenraum-. In den betroffenen Gebieten konnte man schon seinerzeit niemanden mehr anrufen, weil Stromversorgung und Mobilfunkempfang zusammenbrachen. Aber damals wie heute wird und wurde Gott angerufen! Oder sollte man vielleicht sogar sagen, er wurde auch angeklagt? Wenn es einen allmächtigen Gott gibt, ist er es nicht gerade, der solche Katastrophen verhindern kann? Oder schickt er sie etwa sogar? Auch das sind keineswegs neue Fragen. Wer sich den Monatsspruch und seinen Kontext noch einmal genauer anschaut, erfährt, dass hier jemand eindringlich diesen Gott bewusst auffordert zuzuhören, auf das aktuelle Elend zu schauen und zu helfen. Auch ihm, dem König Hiskija stand damals „das Wasser bis zum Hals“, wie wir nicht von ungefähr in einem ewigen Sprichwort für sehr unterschiedliche Situationen sagen. Das Königreich Juda mit seiner Hauptstadt Jerusalem war zu dieser Zeit von seiner vollständigen Vernichtung durch den assyrischen König Sanherib (um 700 v.Chr.) bedroht. Militärisch gab es dort nichts mehr zu gewinnen für den Kleinstaat Juda. Sein König Hiskija will das Blatt noch einmal wenden, in dem er zurückkehrt zu seinem Gott und ihn um Hilfe anruft. >Herr, schau‘ hin und höre mir zu! Erbarme dich!<. Und tatsächlich – vermutlich aufgrund einer plötzlichen Seuche – werden etwas später große Teile des heranziehenden assyrischen Heeres kampfunfähig oder vernichtet und der große Herrscher Sanherib muss unverrichteter Dinge in sein Heimatland zurückkehren (2. Kön. 19,36, Jes.37,36) Für den König Hiskija, wie für den Propheten Jesaja, ist die Sache klar: Gott hat die Geschichte zu seinen Gunsten beeinflusst. Also kurzgefasst: Glaube an Gott und die Dinge fügen sich in deinem Interesse!
Das ist natürlich ein Kurzschluss im mehrfachen Wortsinne. So einfach ist es leider nicht. Spätestens seit Jesus wissen Christen, dass Gottes Hilfe nicht die Dividende menschlichen Wohlverhaltens ist. Fest steht aber, wenn es einen Gott gibt, dann entgeht ihm nichts auf dieser Welt, weder akustisch, noch visuell. Gott hört und sieht! Und er kann auch die Geschichte verändern, die große wie die persönliche! Alles andere würde Gebete, d.h. das Reden mit Gott, zum sinnlosen Selbstgespräch machen.
Mit Joachim Meisner ist durchaus eine Antwort auf Gottes Handeln zu geben: „Wo Gott war, als die Flut kam? – An der Seite der Leidenden und Sterbenden!“
Damit ist die Frage nach dem >WARUM alles so kam< jedoch weiter offen. Doch sie wird einmal beantwortet werden, nicht unbedingt im

 

August Anno Domini 2021

© D.E.

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